Kräftig zahlen für den Dispo? – So setzen Sie sich zur Wehr

Wer kennt das nicht: Ausgerechnet dann, wenn kaum noch Geld auf dem Girokonto ist, geht ein wichtiges Haushaltsgerät kaputt! Hat man nicht noch zusätzlich Erspartes zur Verfügung, muss wohl oder übel das Girokonto überzogen werden. Der Dispositionskredit ist aber der teuerste Kredit: Üblich ist ein Dispozins zwischen 9 und 12 Prozent. Muss man derart überhöhte Kosten hinnehmen oder kann man sich wehren?

Definition, Rahmenbedingungen und andere Basisinfos rund um den Dispo bei Girokonten

Als Kunde eines Girokontos können Sie üblicherweise bis zu einer vertraglich festgelegten Summe Ihr Konto überziehen: Dieser von dem Kreditinstitut zur Verfügung gestellte Betrag wird als Dispositionskredit bezeichnet. Ebenso wie für die Bereitstellung anderer Kredite berechnet die Bank oder Sparkasse aber Zinsen, die Sie als Kunde zahlen müssen.

Grundsätzlich handelt es sich bei einem Dispokredit um einen Kontokorrentkredit, der nicht zeitlich befristet ist.

Die Rahmenbedingungen eines Dispositionskredits:

  • Volljährigkeit des Kreditnehmers
  • im Vertrag enthaltene Bedingungen für Änderungen des Zinssatzes und für die Vertragsbeendigung
  • Nennung der Höchstgrenze des Dispokredits
  • Bekanntgabe des aktuellen Jahreszinses

Einen Dispo beantragen

Wenn Sie ohnehin ein Girokonto eröffnen möchten, kann der Punkt Dispositionskredit gleich mit verhandelt werden. Üblicherweise verlangt das kontoführende Institut den Nachweis eines regelmäßigen Einkommens. Erst dann ist der Kreditrahmen festzulegen.

Gängig ist der doppelte oder der dreifache Wert der regelmäßigen monatlichen Zahlungseingänge.

Warum sind die Zinsen für die Ausnutzung des Dispokredits so hoch?

Vergleicht man einen Dispokredit mit anderen Krediten, fällt auf, dass recht hohe Zinsen zu zahlen sind. Ausschlaggebend für den Zinssatz sind die aktuellen Marktzinsen – vor allem der Euro-Leitzins. Aber selbst, wenn der gesenkt wird, werden die Dispozinsen bestenfalls minimal herabgesetzt. teuerFür alle Kreditinstitute ist der Dispo eine gute Einnahmequelle, die sie sich nicht nehmen lassen möchten. Außerdem wird das Risiko, dass ein Dispositionskredit nicht zurückgezahlt wird, als sehr niedrig eingestuft.

Positive und negative Aspekte des Dispositionskredits

Wenn Sie noch die Wahl haben, sich für oder gegen einen Dispokredit zu entscheiden, sollten Sie sich mit den Vorteilen und Nachteilen beschäftigen:

Vorteile Nachteile
  • das Geld steht sofort zur Verfügung
  • es entstehen keine weiteren Verpflichtungen
  • die Kosten sind klar ersichtlich (Kontoauszug)
  • hoher Zinssatz
  • die Bank kann den Dispokredit kurzfristig kündigen
  • bei Überziehung des Dispos fallen noch höhere Zinsen an

Das meint der Verbraucherschutz:

Dem Verbraucherschutz sind die hohen Dispozinsen schon lange ein Dorn im Auge: Einerseits können sich Kreditinstitute sehr günstig Geld leihen und andererseits verlangen sie durchschnittlich gut zehn Prozent von ihren Kunden. Zum wiederholten Mal hat auch die Bundesregierung die Kreditinstitute aufgefordert, die Zinsen für Dispositionskredite zu senken. Grundlegend geändert hat sich aber noch immer nichts.

So nutzen Sie die Vorteile des Dispokredits richtig aus ohne unter den negativen Aspekten des Kontorahmens finanziell zu leiden!

Wenn Sie sich der hohen Zinsen bewusst sind, aber über keine kurzfristig abrufbaren Reserven verfügen, sollten Sie sich am besten für eine der nachstehend genannten Möglichkeiten entscheiden:

  • kurzfristige Inanspruchnahme des Dispositionskredits
  • Aufnahme eines Kredits mit besseren Konditionen
  • Wechsel der Bank

Sofern Sie sich für den Dispokredit entscheiden, sollten Sie sich den folgenden Abschnitt genauer durchlesen! Hinsichtlich eines Wechsels der Bank, kann es sich lohnen ein eigenes Gehaltskonto zu führen. Dieses sollte dann mit günstigen Konditionen für den Dispozins ausgestattet sein. Anschließend kann es für kurzfristiges Überziehungen genutzt werden, während man von besseren Konditionen gebrauch machen kann. Eine Übersicht aller Dispozinsen und Kosten einzelner Anbieter finden Sie in unserem Vergleich.

Das sollten Sie zu beachten, wenn Sie Ihr Girokonto überziehen

Den Dispokredit bei Ihrer bisherigen Bank sollten Sie nur nutzen, wenn die Kurzfristigkeit absehbar ist. Dementsprechend sollte es sich auch nur um einen eher niedrigen Betrag gluehbirnehandeln. Auf gar keinen Fall ist der Dispo als Dauereinrichtung anzusehen, da die Kosten hierfür viel zu hoch sind. Nicht nur, dass die Kosten für einen lange oder immer wieder genutzten Dispokredit beträchtlich sind. Es besteht zusätzlich die Gefahr, dass der Dispo überzogen wird. Ist dies der Fall, berechnet die Bank noch höhere Zinsen.

Der sogenannte Überziehungszinssatz kann etwa 20 Prozent ausmachen!

Behalten Sie den Überblick: Wer generell mit Geld umgehen kann, wird auch mit dem Dispokredit keine Schwierigkeiten haben!

Am besten dran ist natürlich, der mit dem Geld auskommt, das ihm zur Verfügung steht. Deshalb sollten Sie beizeiten versuchen, monatlich eine bestimmte Summe zu sparen. Um die kurzfristige Verfügbarkeit zu erhalten, kommen insbesondere Sparbücher und Tagesgeldkonten in Frage. Zwar erhalten Sie in beiden Fällen nur geringe Zinsen, aber Sie können jederzeit über die Gelder verfügen.

Wichtig ist es zu lernen, mit seinem Geld richtig umzugehen

Sie sehen derzeit keine Chance, Geld zu sparen, möchten aber keinesfalls ständig auf den Dispositionskredit zugreifen müssen? Dann sollten Sie sich die Mühe machen, ein Haushaltsbuch zu führen:

Indem Sie Ihre Einnahmen und Ausgaben gegenüberstellen, wird ersichtlich, wo das Geld bleibt. Und vielleicht lassen sich Lebensgewohnheiten dahingehend ändern, dass Einsparmöglichkeiten umzusetzen sind.

Auf jeden Fall aber sollten Sie nicht zu den Kunden zählen, an denen die Bank letztlich gut verdient!

Der Dispo nur im Notfall: Alternativen und andere Tipps

Tipp 1: Machen Sie sich über einen langfristigen Kredit Gedanken

Sie benötigen eine größere Summe, die Sie in Raten zurückzahlen möchten? Dann ist nicht der Dispositionskredit, sondern ein Raten- oder ein Abrufkredit die richtige Wahl. Zwar müssen Sie den Kredit erst beantragen, aber der Aufwand lohnt sich gerade bei größeren Summen allemal: Häufig sind die Zinsen nur halb so hoch wie für einen Dispokredit!

Tipp 2: Doch Dispo? Dann vergleichen Sie zumindest und wechseln bei niedrigeren Angeboten die Bank

Ein Vergleich der Kreditinstitute hinsichtlich der Dispozinsen ist durchaus zu empfehlen. Falls Sie nicht unbedingt bei Ihrer bisherigen Bank bleiben möchten, könnten Sie eine wählen, die günstigere Dispozinsen verlangt. Bevor Sie sich jedoch vorschnell für eine Direktbank mit recht niedrigen Zinsen entscheiden, sollten Sie sich selbstverständlich auch für weitere Kriterien interessieren (etwa Gebühren für die Kontoführung und Zahl der Geldautomaten). Klar ist: ein Wechsel des Girokontos bedeutet einigen Aufwand. Aber sowohl die alte als auch die neue Bank sind angehalten, Ihnen bei diesem Wechsel zu helfen. Zweckmäßig ist es zudem, die Angebote der Verbraucherzentralen zu nutzen: Beispielsweise finden Sie auf den entsprechenden Internetseiten Musterbriefe für die Kündigung des Girokontos. Lesen Sie hierzu unseren Ratgeber-Artikel mit weiteren Informationen zum Thema.

Tipp 3: Sie haben bereits überzogen? Denken Sie über eine Umschuldung nach

Wenn Sie bereits Ihr Konto überzogen haben, allerdings nicht wissen, wie Sie in absehbarer Zeit wieder in den positiven Bereich Ihres Girokontos gelangen sollen, ist es ratsam, sich über eine Umschuldung zu informieren. Vorrangig kommt ein Ratenkredit oder ein Abrufkredit in Frage. Mit der richtigen Kreditwahl können Sie gegenüber einem Dispokredit durchaus mehrere hundert Euro sparen. Mehr Informationen finden Sie in unserem Artikel zum Thema Dispokredit umschulden. Falls Sie professionelle Hilfe benötigen, um die beste Lösung für Ihre Verschuldung zu finden, stehen Ihnen diverse Beratungsstellen zur Seite. Ansprechpartner sind:

  • Wohlfahrtsverbände
  • die Verbraucherzentrale
  • die Kommune